Stone.com berichtet: Türkische Rohsteinblöcke werden in Nan’an, Fujian, präzise auf 5-Achs-CNC-Werkzeugmaschinen zugeschnitten und innerhalb von sechs Tagen über den See-Schienen-Verkehr des Hafens von Xiamen direkt nach Südkorea transportiert. Auf der Baustelle der New Future City (NEOM) in Saudi-Arabien nehmen hitzebeständige chinesische Steinfassaden allmählich Gestalt an. Angesichts der sich anpassenden Nachfrage nach Immobilien im Inland vollzieht Chinas Steinindustrie mit ihrer zweigleisigen Strategie – dem Aufbau eines Drehkreuzes in Südostasien und der Etablierung von Standards im Nahen Osten – den Wandel vom reinen Produktexport hin zur ökologischen Stärkung auf dem Weltmarkt. Dies eröffnet neue Perspektiven für die internationale Expansion über zwei Ozeane hinweg.

Südostasien: Ein neues Drehkreuz für den Transithandel, das vom Infrastrukturausbau profitiert

Südostasien entwickelt sich zu einem wichtigen Sprungbrett für chinesische Steinexporte. Die Kombination aus Infrastrukturentwicklung und Handelsvorteilen hat Thailand zu einem zentralen Umschlagplatz für Naturstein weltweit gemacht. Der Ausbau des östlichen Wirtschaftskorridors Thailands und der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen China und Thailand hat die Nachfrage nach Natursteinmaterialien massiv angekurbelt. Der Wirtschaftsgipfel Thailand-China 2025 vertiefte die Wertschöpfungskette weiter, wobei Natursteinmaterialien zu einem der Hauptprofiteure der Zusammenarbeit wurden. Angesichts von Zollschranken auf europäischen und amerikanischen Märkten hat Thailand dank seiner liberalen Handelspolitik und geografischen Vorteile ein hohes Reexportvolumen erzielt. Chinesische Natursteinmaterialien werden hier sortiert und verpackt, bevor sie direkt an europäische und amerikanische Endabnehmer geliefert werden, wodurch Handelsrisiken effektiv minimiert werden.

Kambodschas Natursteinindustrie verzeichnet ein rasantes Wachstum. 2024 überstiegen die Marmorplattenexporte 5 Millionen Quadratmeter. Allein in der Provinz Kratie sind fast 20 Bergbau- und Verarbeitungsunternehmen ansässig, die ein regionales Industriecluster bilden. Laos verfügt über Granitreserven von 2 Milliarden Kubikmetern. Mithilfe der China-Laos-Eisenbahn werden Rohstoffe zu Verarbeitungsbetrieben in China transportiert und gelangen dank der RCEP-Zollpräferenzen anschließend zurück in den ASEAN-Markt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf aus Rohstoffgewinnung, -verarbeitung und -vertrieb. In diesem dynamischen Markt sichern sich chinesische Steinunternehmen nicht nur Aufträge, sondern bauen auch ein globales Handelsnetzwerk auf.

Der Nahe Osten: Ein Zentrum für technologische Innovation inmitten milliardenschwerer Infrastrukturinvestitionen

Der durch Saudi-Arabiens „Vision 2030“ ausgelöste Infrastrukturboom hat chinesischen Steinunternehmen enorme Möglichkeiten eröffnet, ihre technologische Expertise zu vertiefen. Die Investitionen von über 1,5 Billionen US-Dollar in Projekte wie NEOM und The Line werden den saudischen Markt für Ingenieurbau bis 2025 voraussichtlich auf 149,5 Milliarden US-Dollar anwachsen lassen und ihn damit zu einem äußerst vielversprechenden Markt für die globale Nachfrage nach Baumaterialien machen. Anders als in Südostasien, wo der Fokus auf dem Handel liegt, konzentrieren sich chinesische Steinunternehmen hier auf technologische Forschung und Entwicklung und beschreiten so einen differenzierten Weg zur internationalen Expansion.

Laut Stone.com haben Unternehmen aus Fujian speziell sandbeständige Bearbeitungsmaschinen und hochtemperaturbeständige Steinklebstoffe entwickelt und ein gemeinsames Labor in Dubai eingerichtet, um die Witterungsbeständigkeit und Stabilität der Materialien in Wüstenumgebungen wiederholt zu testen. Auf der Produktionsseite hat ein führendes Unternehmen in Nan’an eine küstennahe Entwicklung erreicht, indem es Mehrheitsbeteiligungen an zwölf Minen in der Türkei hält und eine Verarbeitungsanlage in Dubai errichtet hat. Damit wird die Produktion von „Stein aus dem Nahen Osten – hergestellt im Nahen Osten“ Realität. Technologische Durchbrüche haben auch zu einer stärkeren Stimme bei der Festlegung von Standards geführt. Chinas eigenständig entwickelte Fünf-Achs-CNC-Bearbeitungstechnologie wird in mehreren Schlüsselprojekten in den VAE eingesetzt. Damit geht China vom „Anpassen an Standards“ zum „Setzen von Standards“ über. Unternehmen aus dem Kreis Huian nahmen an der Saudi Arabian Construction and Building Materials Exhibition teil und führten intensive Gespräche mit dem saudischen Wohnungsbauministerium und der China State Construction Engineering Corporation. Ziel war es, die Handwerkskunst der „Welthauptstadt der Steinmetzkunst“ mit moderner Technologie in die Infrastruktur des Nahen Ostens zu integrieren.

Innovationen im Ausland: Von beschleunigter Logistik zur ökologischen Symbiose

Das hohe Gewicht von Stein zwingt chinesische Industriecluster, innovative Wege für Logistik und Ressourcenintegration zu beschreiten. Jinjiang in der Provinz Fujian hat ein „Ökosystem für Auslandslager“ aufgebaut und weltweit 46 Lager mit einer Gesamtfläche von 473.400 Quadratmetern errichtet. Dadurch konnte die grenzüberschreitende Logistikzeit von 30 auf 3 Tage verkürzt und eine direkte Verbindung zwischen Steinverarbeitungsanlagen und Vertriebskanälen im Nahen Osten über das Messezentrum in Dubai hergestellt werden.

Macheng in der Provinz Hubei hat ein innovatives intermodales See-Schiene-Transportmodell entwickelt, das im ersten Quartal 2025 zu einem Anstieg der Steincontainer-Verschiffungen um 30 % gegenüber dem Vorjahr geführt hat. Ein speziell dafür vorgesehener Zug erreicht Südkorea in nur 6 Tagen und spart so 4 Tage im Vergleich zum herkömmlichen Transport. Dies eröffnet Steinverarbeitungsunternehmen im Inland einen direkten Zugang zu den Überseemärkten. Die Netzwerke der Auslandschinesen haben sich zu einer unsichtbaren Brücke entwickelt. Auslandschinesen aus Fujian haben in der Türkei eine Steinbibliothek eingerichtet. Diese verbindet Chinas Verarbeitungskapazitäten mit europäischen Designressourcen und löst das Problem der „umgekehrten Transportkosten“: Der Transport von Rohsteinen von der Türkei nach Fujian ist 50 % günstiger als der Landtransport von Hunan. Auch die Regierung engagiert sich: Nan’an hat ein Außenhandelszentrum und eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, die Ressourcen des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie, des Zolls und der Steuerbehörde bündelt. So konnten fast 30 % der Außenhandelsunternehmen bereits im Voraus Aufträge für 2025 sichern.

Globale Ausrichtung: Vom Kapazitätsexport zur Wertschöpfungsführerschaft

Nan’an, die „Welthauptstadt des Steins“, die 60 % der chinesischen Steinimporte und -exporte ausmacht, ist ein Mikrokosmos dieses globalen Wandels. Durch den Erwerb von Steinbrüchen in der Türkei, die Eröffnung eines Büros im Iran und die Gewinnung ägyptischer Steinhändler für die Teilnahme an Messen hat sich Nan’an von einem lokalen Produktionsstandort zu einem globalen Zentrum für die Verteilung von Steinressourcen entwickelt. Dank anhaltender politischer Unterstützung senkt die RCEP die Zollschranken für ASEAN, die Seidenstraßeninitiative aktiviert das Logistikpotenzial der China-Laos-Eisenbahnlinie, und der 570 Milliarden US-Dollar schwere Markt für den Wiederaufbau der Ukraine bietet neue Wachstumschancen.

Vom präzisen Zuschnitt kambodschanischen Granits mit Werkzeugmaschinen in Jinjiang bis hin zu den chinesischen Steinmauern in der saudi-arabischen NEOM City – die Expansionsstrategie für chinesische Steinprodukte im Ausland hat sich klar herauskristallisiert: Südostasien profitiert von Produktionskapazitätsverlagerungen und Auftragsgewinnen, der Nahe Osten konzentriert sich auf technologische Forschung und Entwicklung und etabliert neue Markenstandards, und Logistiknetzwerke sowie das chinesische Geschäftsökosystem im Ausland bieten doppelte Unterstützung. Branchenprognosen zufolge wird der Anteil der Auslandsumsätze mit chinesischen Steinprodukten voraussichtlich von derzeit 30 % auf 50 % steigen, wenn der Infrastrukturausbau in Saudi-Arabien 2025 in seine Boomphase eintritt. Diese Expansion über die Ozeane hinweg ist nicht nur eine Erweiterung der Marktgrenzen, sondern auch ein entscheidender Sprung für Chinas Steinindustrie vom “Produktexport” zum umfassenden Export von “Technologie + Standards + Ökologie” und schlägt ein neues Kapitel für “Made in China” auf dem globalen Baustoffmarkt auf.